
Philosophie und Verfahrensweisen der Zoopädagogik
Zoologische Gärten sind auch Naturschutzzentren, ihre Aufgaben sind in der EU-Richtlinie und „Zoos und Aquarien für Naturschutz“ (WZANS) beschrieben:
Schutz wildlebender Tiere (in-situ = vor Ort, ex-situ = Erhaltungszucht)
Erhaltung der biologischen Vielfalt, Aufklärung der Bevölkerung über die Notwendigkeit, die biologische Vielfalt zu erhalten
Ziele der Zoopädagogik
Zoopädagogik fördert das Wissen über Tiere, Pflanzen und Ökologie, aber auch die Achtung vor der der belebten Natur. Zoopädagogen präsentieren Tiere sowohl im biologischen, als auch im ökonomischen, kulturellen und politischen Zusammenhang. Sie machen die lokalen und globalen Eingriffe der Menschen in die Umwelt bewusst. Sie zeigen den Menschen, dass sie Teil der Natur sind und nur überleben können, wenn sie zu einer nachhaltigen Nutzung der Natur übergehen. Zoopädagogik stellt Tiere und Pflanzen so vor, dass die Menschen sich ihrer Bindung an die Natur bewusst werden und entsprechende Handlungsbereitschaften entwickeln.
Zoopädagogische Ziele müssen daher integrale Bestandteile
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der Bestandsplanung
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der Gehegegestaltung
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der Entwicklung von Naturschutzprojekten
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Entwicklung der Infrastruktur (z.B. Mülltrennung)
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und der Planung von Besucherangeboten sein
Zielgruppen
Jeder Zoo sollte die Zusammensetzung seiner Besucherschaft kennen, um seine pädagogischen Ziele zu erreichen. So gibt es u.a.: Ortsansässige, Touristen, Familien, altersgemischte Gruppen, Gruppen Gleichaltriger, Schulklassen, Teenager, Senioren, Behinderte etc. Alle Besucher, aber auch diejenigen, die über die Medienarbeit des Zoos erreicht werden, sowie Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft gehören zur Zielgruppe. Zoopädagogik wird dadurch gesamt-gesellschaftlich wirksam.
Methoden und Medien
Wichtigste Medien sind die Gehege mit ihren Tieren und Pflanzen selbst. Darüber hinaus werden die Besucher durch weitere Medien angesprochen: Beschilderungen, interaktive Elemente, computergestützte Informationen, audio-/visuelle Installationen, Zooführer, Veröffentlichungen des Zoos und andere Medien.
Besonders wirksam ist die persönliche Betreuung der Besucher im Rahmen von Unterricht, Führungen, Veranstaltungen, Ferienspielen, Erklärungen durch Tierpfleger. Dabei kann die ganze Palette klassischer Medien, besonders aber die Originale Begegnung eingesetzt werden. Auch die Ermöglichung eines unmittelbaren Mensch-Tier-Kontaktes, z.B. im „Kinderzoo“, ist angesichts zunehmender Entfremdung von der Natur wünschenswert. In Sonderausstellungen werden die o.g. Medien und Aktivitäten thematisch gebündelt. Darüber hinaus beteiligen sich Zoopädagogen an der Entwicklung von Lehrplänen und an politischen Entscheidungsprozessen.
Arbeitsbereiche
Die Arbeitsbereiche ergeben sich aus den oben genannten Punkten.
1) Arbeit mit Zoobesuchern (im direkten Kontakt)
a) Schule und Ausbildung (Zoopädagogik im engen Sinne)
Kindergartengruppen
Schulklassen (aller Schulformen)
Studentengruppen
Seminargruppen (Referendare)
Lehrer-/Erzieherfortbildungen
Beratung von Lehrern für den eigenständigen Unterricht
b) Sonstige Gruppen (Seminare, Führungen etc.) Geburtstage
Fördervereine
Betriebsausflüge
Vereine und private Gruppen
c) Informationen für Einzelbesucher (z.B. Moderation am Gehege, Infostände u.ä.)
d) Durchführung von Ferien- und Freizeitaktivitäten
g) Arbeit mit Gruppen außerhalb des Zoos, die den Zoo nicht besuchen können
2) Arbeit an Informationsmaterialien
Unterrichtsmaterialien
Zooführer/ Kinderzooführer u.ä. Informationsmaterialien des Zoos
Beobachtungsspiele wie Zooquiz, Fabeltiere u.ä.
Gehegebeschilderung
Erstellung von audiovisuellen und interaktiven Medien ( Video, CD-Rom, Homepage)
Zusammenarbeit mit anderen Instituten zur Medienerstellung (Stadtbildstelle o.ä.)
Veröffentlichungen
3) Der Öffentlichkeit die Rolle von Zoos im Naturschutz verdeutlichen:
a) Vermitteln zwischen den Besuchern und der Einrichtung Zoo
Darstellung der Arbeit der Zoos
Ermitteln und Weitergeben von Besucherreaktionen
b) Mitwirken an der Planung von Gehegen, bei der Tierauswahl und am Zookonzept
4) Interne Weiterbildung der Mitarbeiter
5) Evaluation der pädagogischen Aktivitäten und Besucherbefragungen
Evaluation
Eine regelmäßige Überprüfung hilft den Institutionen, ihre Wirksamkeit als Bildungszentren für den Naturschutz zu untermauern. Techniken der Überprüfung können Erhebungen und Befragungen, die Beurteilung der pädagogischen Wirkung unterschiedlicher Gehege, Beobachtungen des Besucherverhaltens etc. sein. Über die geleistete pädagogische Arbeit wird regelmäßig Rechenschaft gegeben, z.B. in den Jahresberichten.
Ausstattung
Der persönliche Kontakt mit den Zoobesuchern ist der effektivste Weg der Informationsvermittlung. Die vielfältigen Aufgaben können nicht von einer Person bewältigt werden. Deshalb ist eine zoopädagogische Abteilung notwendig. Für eine zukunftsweisende Zoopädagogik ist folgende Ausstattung der Abteilung wünschenswert:
1) Personell
mindestens eine feste Vollzeitstelle (Abteilungsleiter/in)
abgeordnete Lehrer/innen verschiedener Schultypen
weitere Mitarbeiter aus dem Zoo
freie Mitarbeiter (z.B. Zoobegleiter)
2) Materiell
eigene, bedarfsgerechte Räume (für Unterricht, Büro, Sammlungen)
bedarfsgerechte technische Ausstattung für Büro- und Unterrichtsbereich
eigener Personal- und Sachetat
Fortbildungsmöglichkeiten
Aus- und Fortbildung
Die Vielzahl der Methoden, Zielgruppen und Aufgaben erfordert eine professionelle Ausbildung der Zoopädagogen:
Abteilungsleiter/in für Zoopädagogik: abgeschlossenes Hochschulstudium der Fachrichtung Biologie oder der Pädagogik mit dem Fach Biologie oder vergleichbare Ausbildung.
Weitere Mitarbeiter für die zoopädagogische Arbeit mit Besuchern sollen ihrem Aufgabenbereich entsprechend qualifiziert sein oder werden. Alle Mitarbeiter der zoopädagogischen Abteilungen (auch die freien Mitarbeiter) müssen ständig weitergebildet werden.
Alle Mitarbeiter des Zoos müssen berücksichtigen, dass ihr Handeln, Auftreten und ihre Arbeit einen Eindruck beim Besucher hervorrufen, dass also auch sie zoopädagogisch tätig sind.